21. Januar 2014

„Wir müssten uns eigentlich von selbst auflösen“

Hanns-Uwe TheeleVorsitzender IGbFD e.V.Die „Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda“ (IGbFD e.V.) und ihre Mitglieder setzen sich für das Thema Barrierefreiheit in der Barockstadt ein: als Betroffene und damit als „Fachleute in eigener Sache“, die am Besten beurteilen können, was geändert oder neu geschaffen werden muss. Wir haben mit dem Vorsitzenden Hanns-Uwe Theele über die derzeit stattfindende Inklusionstour und die sich daraus ergebenden Chancen für Fulda gesprochen.

Herr Theele, wie ist es zum Kontakt zwischen Ihnen und den Veranstaltern der Inklusionstour, dem Lions Club Fulda und „sport grenzenlos“ gekommen?

Hanns-Uwe Theele: Ich hatte am 1. September 2013 im Rahmen des Fuldaer Marathons die Gelegenheit, den Präsidenten des Lions Clubs, Mathias Leilich, und Holger Nikelis kennenzulernen. Sie haben mir von ihrer Idee der Inklusionstour berichtet.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Theele: Wir mussten nicht lange nachdenken: Diese Aktion ist natürlich absolut unterstützenswert. Allerdings wollten wir schon im Vorhinein wissen, wie die Inklusionstour konkret abläuft. Die Nachhaltigkeit einer solchen Aktion ist uns nämlich sehr wichtig. Uns als ortsansässige Gemeinschaft ist es ein großes Anliegen, dass wir auch langfristig im Gespräch bleiben und für die Themen Inklusion und Barrierefreiheit werben.

Was erhoffen Sie sich von der Inklusionstour?

Theele: Wir möchten mit den Partnern und Institutionen, die an der Inklusionstour teilnehmen, ins Gespräch kommen und die Themen, die uns wichtig sind, platzieren. Wir wünschen uns natürlich, dass die Bürger der Stadt diese irgendwann verinnerlichen und sie dann eben kein Thema mehr sind. Eigentlich müssten wir uns als Gemeinschaft irgendwann von alleine auflösen, weil Inklusion und Barrierefreiheit aktiv gelebt werden.

Haben Sie keine Sorge, dass Sie im Anschluss an die Inklusionstour mit Anfragen überhäuft werden?

Theele: Das genau ist doch unsere große Hoffnung! Wir haben die Interessensgemeinschaft gegründet, damit wir einbezogen werden etwa bei baulichen Aktivitäten von Institutionen und öffentlichen Einrichtungen, Bauträger auf uns zukommen und mit uns sprechen.

Hat sich im Vorfeld der Tour bereits etwas getan?

Theele: Wir sind auch ohne die Inklusionstour in der Stadt bekannt. Wir hoffen aber, dass wir durch diese tolle Aktion eine Nachhaltigkeit mit unseren Themen erzielen. Deshalb sind wir auch bei vielen Aktionen aktiv dabei, um zu sehen, welche Probleme es konkret gibt, mit wem wir zusammen etwas bewegen können. In ein paar Monaten werden wir dann zu diesen Institutionen zurückkehren, um nachzufassen und nachzuhaken, was sich getan hat.

Gibt es Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswoche, auf die Sie sich ganz besonders freuen?

Theele: Ich selbst werde bei drei, vier Aktionen dabei sein und freue mich insbesondere auf die Begegnungen und Gespräche mit Kindern. Denn bei ihnen müssen und wollen wir ansetzen. Sie sind oft noch ohne Vorbehalte. Aber wir lassen die Inklusionstour auf uns zukommen und gehen erst einmal ohne Erwartungen an die Aktionen heran. Ich bin davon überzeugt, dass sie ein Erfolg werden. Wir freuen uns auf das, was noch kommt.

Was konkret sollte sich in Fulda ändern?

Theele: In Fulda, eine Stadt mit vielen historischen Gebäuden, gibt es vor allem bauliche Barrieren für Menschen mit Behinderungen. Der Denkmalschutz, der rechtlich geregelt ist, steht vor dem Wohl des Menschen. Unsere Anliegen werden deshalb häufig nicht berücksichtigt.

Herr Theele, vielen Dank für das Gespräch!

 

Die IGbFD e.V. im Netz: www.igbfd.de

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